Meine Motivation für „Hallo Glück“9 Min. Lesezeit

Vor vielen Jahren hatte ich ein Aha-Erlebnis, welches meine Entscheidung, ein positiveres Leben führen zu wollen, maßgeblich geprägt hat: Es hatte viele Tage geregnet – es war grau und einfach alles was man im Norden als „Schiietwetter“ bezeichnen würde. Egal welche Person ich zu dieser Zeit traf – den Bäcker, Kollegen oder Supermarktfachverkäufer – das Hauptthema eines jeden Gesprächs war immer das regnerische Wetter. „Es ist schrecklich, es zieht mich runter, es nervt, es soll doch endlich wieder sonnig sein, es ist nur noch kalt, es war ewig nicht mehr schön …“, endlos lang waren die Beschwerden. Während die Menschen darüber sprachen, scheinen sie ziemlich unzufrieden zu sein. Es war zu Beginn einer jeden Konversation ein gefundener Einstieg und das bestimmt auch mehrmals am Tag.

Die Menschen verbringen unendlich viel Zeit am Tag damit, unzufrieden zu sein. Und das nur wegen des Wetters. Ein Umstand, den wir überhaupt nicht ändern können.

Dachte ich mir.

Gäbe es Alternativen in einer solchen Situation und könnte ich mich für eine andere Reaktion entscheiden?

Ich fing an darüber nachzudenken, ob dieser Frust und Ärger wegen des Wetters so sein muss oder ob es eine Alternative gibt. Schnell wurde klar: Das Wetter ist eine Instanz in unserem Leben, welches wir nicht ändern können. Etwas das – so klar wie Kloßbrühe – außerhalb unseres Einflussbereichs liegt, solange man nicht über irgendwelche Zauberkräfte verfügt, versteht sich. Da das absolut unrealistisch ist und ich bislang keinen Menschen traf, der diese Fähigkeit besitzt, bedeutet es wohl, dass jeglicher Ärger und Energie zum Thema Wetter völlig verschwendet ist. Du kannst es eben einfach nicht ändern! Wir leben hier in Deutschland in einem Land, in dem es regnet, stürmt und schneit. In dem sich das Wetter eben nicht immer von der sonnigen Seite zeigt.

Welche Möglichkeiten bieten sich nun damit umzugehen?

  1. Ich könnte mich weiterhin ärgern und aufregen, meinem Körper negative Gedanken zuschustern und mich dadurch vermutlich mal mehr oder weniger gestresst fühlen.
  2. Ich könnte nur noch drinnen bleiben, bis das Wetter besser wird.
  3. Ich könnte mich dafür entscheiden, irgendwohin auszuwandern, wo das Wetter statistisch gesehen besser ist und eher meinen Vorstellungen entspricht.
  4. Ich könnte meine Einstellung zum schlechten Wetter verändern und mir angemessenere Kleidung zulegen.

Also überlegte ich mir, welche Möglichkeit für mich die Richtige ist

1. Weiterhin über das Wetter ärgern

Mich weiterhin ärgern möchte ich nicht. Ich möchte keine Energie für etwas verschwenden, das ich einfach partout nicht ändern kann. Ich möchte nicht unzufrieden wegen etwas sein, das ich nicht ändern kann. – Option 1 fällt also raus.

2. Immer zuhause bleiben und das schlechte Wetter vermeiden

Ja, drinnen bleiben, bis das Wetter besser wird, wäre eine Möglichkeit. Das bedeutet allerdings, dass ich mir ziemlich viele Vorräte zulegen muss, um nicht zu hungern. Okay, ich könnte auch Gebrauch von dem ein oder anderen Lieferdienst machen. Blöd ist nur, wenn ich nicht rausgehe, dann gehe ich nicht arbeiten. Wenn ich nicht arbeite, dann habe ich kein Geld. Also auch kein Lieferdienst. Zudem kann ich dann keiner meiner Freizeitbeschäftigungen nachgehen. Ich könnte nicht zum Fitnessstudio gehen, mich nicht mit Menschen außerhalb meiner Wohnung treffen, nicht einkaufen, nicht ins Kino und so weiter. Wäre es mir das wert? Die Antwort darauf lässt nicht lange auf sich warten: Nein. Mir sind meine Freizeitaktivitäten wichtiger, als dem schlechten Wetter auszuweichen. – Diese Option fällt also auch raus.

3. Dorthin auswandern, wo das Wetter besser ist

Auch das könnte ich theoretisch tun. Da stellt sich mir die Frage, ob ich mit dieser Situation dann zufrieden wäre. Wenn du einen Ort suchst, der permanent Sonnenschein zu bieten hat, dann musst du da schon ein bisschen weiter reisen. Europa reicht da heute lange nicht mehr aus. Dort hättest du ebenfalls mit Sturm, langanhaltenden Regenfällen oder Kälte zu tun. Das heißt es muss schon etwas weiter weg sein. Brasilien oder so. Spanisch, Französisch, Portugiesisch usw. spreche und verstehe ich nicht. Brasilien also schon wieder raus. Was ist mit einem Ort in der USA? Ja, Englisch, das geht. Mit ein bisschen Übung wird es auch sicher einfacher. Aber was ist beispielsweise mit der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung? Dort müsste ich mich komplett selbst drum kümmern. Auch meine Urlaubstage hier in Deutschland möchte ich eigentlich auch behalten. Wer weiß was ich da in der USA bekommen würde. Dort gibt es nämlich keine gesetzlich geregelten Bestimmungen. Also auch ganz schön doof. Das Pferd müsste ins Flugzeug oder auf ein Schiff. Auch eine grauselige Vorstellung für mich. Abgesehen davon stelle ich mir die Frage, ob es mich nicht auch irgendwann ankotzen würde, wenn permanent die Sonne scheint und es das ganze Jahr warm ist. Meine Haut ist empfindlich – ich würde ununterbrochen aussehen wie ein rotgebrannter Außerirdischer mit hellblonden Haaren. Keine schöne Vorstellung. Und eigentlich mag ich auch den Winter hier. Sich in eine Decke einmummeln, bei leckerem Tee und Kerzenlicht einen schönen Film gucken (‚ein gutes Buch lesen’ hättet ihr jetzt erwartet, richtig? Nein, ich ziehe Filme den Büchern vor). Wie soll das gehen, wenn es draußen maximal 20 Grad sind und es hell ist bis in die späten Abendstunden? Ich könnte jetzt noch viele weitere Gründe nennen, warum auch diese Möglichkeit nicht die Richtige für mich sein wird.

4. Emotionale Unabhängigkeit dem Wetter gegenüber

Bleibt nur noch Variante 4. Geht das überhaupt? Was spricht eigentlich dagegen meine Einstellung dem Thema gegenüber zu verändern? Zu schwer? Zu anstrengend? Wenn ich es für mich selbst nicht kann, wer soll es dann tun? Geht das überhaupt? Na, vielleicht fangen wir einfach mal mit der Kleidung an. Das ist doch etwas Handfestes, etwas Greifbares:

  • Bei Regen eine schön aussehende Regenjacke mit Kapuze und dazu ein stabiler Schirm.
  • Wenn es kalt ist, brauche ich wasserdichte Handschuhe – damit die Schirmhand nicht einfriert.
  • Bei Kälte einen dicken Mantel (damit der Popo nicht kalt wird), einen Schal (damit es oben nicht reinzieht), eine Mütze oder Stirnband (damit die Ohren nicht abfrieren).
  • Bei Schnee noch ein paar dicke Boots dazu (mit dicker Sohle mit Profil).
  • Da ich Brillenträger bin und Wassertropfen damit leider gar nicht korrespondieren, brauche ich noch ein Putztuch welches stets griffbereit ist.
  • Damit wäre ich gut ausgestattet. Aber das allein reicht nicht. Ich muss ja wissen, wann ich es mit welcher Art von Wetter zu tun habe. Ich müsste mir angewöhnen, einen Blick auf eine vertrauenswürdige Wettervorhersage zu werfen. Einfach damit ich weiß, ob heute die dicke Jacke oder der Schirm von Nöten ist. Dafür müsste ich eine neue Routine entwickeln: definitiv machbar.

Okay, ist ja schön und gut, aber was ist mit der Dunkelheit oder dem Dunkelgrau was sich häufig über mehrere Tage über unseren Köpfen tummelt und sich wie ein Geschwür über unsere Stimmungen legt? Auch da hätte ich ein paar Ideen:

  • Drinnen immer und überall das Licht anmachen,
  • mir mit einer Tageslichtlampe Sonnenlicht bei Dunkelheit verschaffen und
  • demonstrativ ein Lächeln auflegen, wann immer mich das Wetter versucht herunterzuziehen. Stell dich aufrecht hin, Blick die Wolken oder den Regen an und lächele. Ganz breit. So breit wie du kannst. Das wirkt Wunder! Und wenn du noch nicht überzeugt bist, dann mach es wie TED (ein komischer Film mit einem sprechenden Teddybär – ja, ich bin ein Filmjunkie): „Fick’ dich Donner!“ (in unserem Fall: Fick’ dich Regen.“) – aber das mit einem Lächeln.
Meine Entscheidung war gefallen: Ich möchte emotional unabhängig vom Wetter sein.

 

Emotionale Wetter-Unabhängigkeit in der Praxis

Ich bin ganz ehrlich: Immer klappt das natürlich auch nicht. Aber es ist sehr viel Wert, sich immer wieder darauf zu besinnen, welche Alternativen man abgewägt hat und dann festzustellen, dass man sich selbst entschieden hat, wie man mit dieser ungeliebten Situation umgehen möchte. Ich kann dir versichern, dass diese Art der Entscheidung meine Einstellung zu 100% gedreht hat und ich nun viel weniger Sorgen und Ärger mit dem Wetter habe. Ich verschwende viel weniger Energie damit und es stresst mich seltener denn je.

Entscheide selbst, was du erleben und wie du reagieren möchtest

Der Witz an der ganzen Sache mit dem Wetter ist, dass ich dadurch eben so erkennen konnte, dass viele – und damit meine ich wirklich viele – Dinge in unserem Leben genau nach diesem „Ich-finde-schlechtes-Wetter-doof-Prinzip“ funktionieren. Meistens haben wir selber in der Hand wie wir auf bestimmte Situationen oder Umstände reagieren. Wir können meist selbst entscheiden, wie wir uns damit fühlen und wieviel Energie wir darin investieren wollen.

Wir müssen nur erst einmal erkennen, was das Problem und unsere Alternativen sind, erkennen, welche wir davon priorisieren und warum.

Und seitdem ich das herausgefunden habe und es mir in Fleisch und Blut übergegangen ist verfolge ich den Plan die ungeliebten Dinge in meinem Leben zu identifizieren, zu hinterfragen und zu verändern. Genau diese Arbeit hat mir eine ganze Menge gelehrt und mir so viele tolle Erfolge beschert.

  • All die Erkenntnisse, die ich dabei gewonnen habe,
  • die Hürden, die ich überwunden habe
  • und die Misserfolge, die ich mir eingestehen muss

möchte ich mit dir teilen und an dich weitergeben.  

Hol dir die Glückspost

# Erkunde gemeinsam mit mir verschiedene Situationen, Gefühle und Stolpersteine des Alltags

# Lerne alternative Gedanken und andere Zugänge zu diesen Themen kennen

# Erhalte Zugriff auf die Download-Bibliothek, um dir die Hilfsmittel zum Thema direkt herunterladen zu können

Du bist nicht allein. Wir schaffen das.

Jetzt anmelden!

Neben der Glückspost, die 1-2 mal im Monat erscheint, erhältst du einen Zugang zur Glücksbiliothek. Dort findest du Arbeitsblätter und eBooks, die dir helfen direkt an deinem Glück zu arbeiten.

Hallo Glück | eBook Achtsamkeit im Alltag

Ich verarbeite deine E-Mail ausschließlich zum regelmäßigen Newsletterversand von „Hallo Glück“ mit dem Anbieter SendinBlue. Du kannst dem jederzeit widersprechen und dich aus dem Newsletter wieder austragen. Details dazu findest du in der Datenschutzerklärung von Hallo Glück.

1 Comment

  • Benjamin
    Weiter so :-)

Leave a comment