Warum deine Wahrnehmung nicht immer die Realität ist17 Min. Lesezeit

Sicher hast du schon mal erlebt, dass du Situationen vollkommen anders wahrgenommen hast, als dein Gegenüber. Für dich war beispielsweise eine Unterhaltung sehr positiv, für deinen Gesprächspartner eher nicht. Du hast eine Veranstaltung als unheimlich langweilig empfunden, während deine Begleitung hellauf begeistert war.

Kann das, was du siehst, also auch das sein, was ich sehe?

Ist das, was du siehst, eigentlich auch das, was wirklich da ist?

Ist das, was du um dich herum wahrnimmst, immer vollkommen wahr und spiegelt die tatsächliche Realität wieder?

Was Wahrnehmung eigentlich bedeutet

Wahrnehmung ist ein Zusammenspiel aus Informationsgewinnung und Informationsverarbeitung.

„Wahrnehmung ist ein psychophysiologischer Prozeß. Sie entsteht nicht in den Sinnesorganen, sondern im Hirn.“

Steigerwald, Friedbert (1997). Psychologie, Soziologie und Pädagogik.

Über unsere verschiedenen Sinne nehmen wir Menschen zu jeder Sekunde Informationen aus unserer Umwelt auf. Wir sehen, riechen und hören, was um uns herum passiert. Wir fühlen die Dinge um uns herum.

Die Oberfläche und Konsistenz aller Gegenstände, die Temperatur oder die Luftbeschaffenheit. Wir schmecken die Bestandteile unseres Essens oder der Getränke, die wir zu uns nehmen. Wir sind also zu jeder Zeit in der Lage, unsere Umwelt mit unseren Sinnen – dem Sehen, dem Hören, dem Riechen, Fühlen und Schmecken – aufzusaugen. Wenn das allein alles wäre, dann hätten unser Gehirn wohl ein reales Abbild der Umgebung und könnte die anfangs gestellten Fragen eindeutig mit „Ja“ beantworten.

Nun wissen wir aber aus eigener Erfahrung, dass das eben nicht so ist. Jeder Mensch beschreibt oder erkennt die Informationen, die er aus der Umgebung und der Welt gewonnen hat, unterschiedlich. Wie kann das sein?

Wahrnehmung ist eben nicht nur die reine Informationsaufnahme, sondern vor allem auch die Informationsverarbeitung. All das, was wir sehen, hören, riechen, fühlen und schmecken wird in unserem Gehirn im Bruchteil einer Sekunde weiterverarbeitet, umgewandelt, bewertet, im Zweifel verdreht und auf den Kopf gestellt – bevor wir tatsächlich davon sprechen können etwas wahrgenommen zu haben.

Puh, schon mal ein ganz schöner Klopper, wie ich finde.

Wahrnehmung läuft teilweise bewusst und teilweise unbewusst ab

Jetzt sollten wir uns zudem noch bewusst darüber werden, dass wir all diese Eindrücke unserer Umwelt nicht unbedingt bewusst und Stück für Stück aufsammeln und verarbeiten, sondern es oft nebenbei und vollkommen inkognito tun.

Im Grunde ist das auch gut so. Denn ganz ehrlich: Würden wir alles vollkommen bewusst und Stück für Stück aufnehmen, hätte unser Gehirn eine ganze Menge zu tun. Aus Rücksicht auf Überlastung unseres Prozessors hat sich die Natur dann also das unbewusste Wahrnehmen ausgedacht. Einige Informationen, die über unsere Sinne aufgenommen werden, werden quasi durch einen unterirdischen Tunnel weiter zum Gehirn geschleust und dort still und heimlich weiterverarbeitet. Ohne, dass du es bemerkst oder beeinflussen kannst.

Nur etwa 40 Informationen, von über 10 Millionen (!) Eindrücken, die unser Gehirn täglich verarbeitet, nehmen wir tatsächlich bewusst wahr. Eine ziemlich mickrige Bilanz.

Informationen werden erst durch die individuelle Verarbeitung zur Wahrnehmung

So gelangen also immer zwei Informationsströme in unsere Verarbeitungsstelle – unser Gehirn: Die Informationen, die wir bewusst und die, die wir unbewusst aufgenommen haben.

Stellen wir uns nun mal das folgende Szenario vor: Zwei Personen sitzen nebeneinander im ersten Wagon einer Achterbahn und die Fahrt geht los. (Nennen wir die beiden einfach mal Erna und Berta).

Wenn wir nur von Informationsaufnahme sprechen, müssten sie während dieser Fahrt die gleiche Umgebung sehen, die gleichen Gerüche wahrnehmen und den gleichen Geschmack auf der Zunge haben (klar, warum sollte der Geschmack auch Einfluss auf die Achterbahnfahrt haben). Der Sitz und der Sicherheitsbügel müssten sich bei Beiden gleich anfühlen. Das Geschrei der anderen Passagiere, die Geräusche auf dem Rummel – all das, müssten sie doch gleich und in identischer Lautstärke wahrnehmen, oder etwa nicht?

Wie wir nun wissen, werden all diese Informationen allerdings nicht einfach so weitergeleitet und für wahr befunden, sondern erstmal schön von Links auf Rechts gedreht. Das heißt, es gesellen sich Bestandteile unserer Erfahrung, Brocken unserer Erinnerung, Teile unserer Emotionen und Pakete unserer Vorstellung hinzu. Sie mischen sich unter die Sinnesinformationen, verbünden sich mit Ihnen, verändern oder verdrehen diese. Und das, was dabei herauskommt, können wir dann als Wahrnehmung bezeichnen.

Wie unterschiedlich kann die Wahrnehmung von Erna und Berta in der Achterbahn, unter diesen Gesichtspunkten, dann eigentlich sein?

Sehen wir uns Erna doch mal etwas genauer an: Erna war als Kind nie auf dem Rummel. Für sie sind diese unzähligen Attraktionen absolutes Neuland. Achterbahnfahren kannte sie bislang nur aus dem Fernsehen. Vor dieser Fahrt ist ihr nun, ver­ständ­li­cher­wei­se, etwas mulmig. Zudem sei zu erwähnen, dass Erna glücklicher Besitzer einer Hüftgold ist. Daher fühlt sich der Sitz und der Sicherheitsbügel für sie ziemlich einengend an. Sie fühlt sich, wie ein Fisch in einer Sardinendose (wobei in diesem Kontext denkbar wäre, dass ihr Angstschweiß die Fischsoße darstellt).

Eigentlich hatte sie heute auch überhaupt keine Lust auf den Rummel gehabt. Ihr Tag war irgendwie mies verlaufen. Sie hatte ein paar Termine und Begegnungen, die ihr die Stimmung verhagelt haben. Das Geschrei der Menschen geht ihr daher – zugegebenermaßen – auf den Keks. Schon in der Warteschlange konnte sie diese Lautstärke kaum ertragen. Auch die, ihrer Meinung nach, sinnlosen Unterhaltungen waren ihr ein Dorn im Auge. Im Grunde hatte sie sich ja von Berta auch bloß überreden lassen, auf den Rummel zu gehen.

Berta hingegen liebt Achterbahnfahren. Seit sie denken kann, stattet sie dem Rummel in ihrer Nachbarschaft jedes Jahr einen Besuch ab. Sie liebt den Nervenkitzel und die freudige Stimmung der Besucher. Während sie da so sitzt, fühlt sie sich sogar wieder ein bisschen wie als Kind: Aufgedreht und freudig. Ja, sogar lachen muss sie, während alle anderen um sie herum ängstlich kreischen. Den ganzen Tag war sie alleine zuhause gewesen, hatte kaum gesprochen, kaum jemanden gesehen – außer den Postboten am Morgen, von dem auch keine große Konversationen zu erwarten war. So hatte sie sich unheimlich auf diesen Nachmittag gefreut: Unter Leuten sein, reden, quatschen, Menschen beobachten. All das geht auf dem Rummel mit Erna wunderbar, dachte sie.

Nach der Fahrt ist Erna unglaublich schlecht drauf: Ihr steckt immer noch die Angst, die sie wegen der Fahrt hatte, in den Knochen. Hinzu kommt der Ärger, über all die lauten, freudigen Menschen. Am schlimmsten trübt allerdings ihre Wut darüber überhaupt mitgekommen zu sein, ihre Stimmung.

Ihre schlechte Laune prallt nun auf Berta, die freudig lachend Pläne für die nächste Fahrt schmiedet. Und da haben wir den Salat: Erna und Berta hatten eine vollkommen unterschiedliche Wahrnehmung von ein und derselben Situation!

Jeder Mensch sieht seine ganz eigene Realität

„Die Speisekarte ist nicht das Essen“.

Paul Watzlawick

Jeder von uns verfügt über unterschiedliche Erfahrungen, Emotionen, Erinnerungen und Vorstellungen. Das führt zwangsläufig dazu, dass die Sinneseindrücke, die jeder von uns aufnimmt, zu einer anderen Wahrnehmung führen kann. Verblüffend – jeder ist also mal wie Erna und mal wie Berta und erschafft damit seine ganz eigene Realität.

Das ist eine Erkenntnis, die einmal verstanden, abgespeichert und vor allem akzeptiert, unser Leben unheimlich erleichtern kann. Viele Kommunikationsprobleme, Konflikte oder eigenen Einstellungen und Vorstellungen sind nämlich genau darauf zurückzuführen.

Dann verstehen wir auch, warum eine Binsenweisheit besagt, dass jeder Mensch die Welt mit anderen Augen sieht (Genau! Es gibt ganz viele unterschiedliche Ernas und Bertas da draußen).

Faktoren, die unsere Wahrnehmung formen

Ganz konkret wird unsere subjektive Wahrnehmung durch verschiedene Faktoren beeinflusst:

  • Emotionen: Unser Gemütszustand nimmt Einfluss darauf, wie wir die Welt sehen. Wenn wir verliebt sind, scheint alles in rosa getaucht und geblümt positiv zu sein. Jeder scheint nett, alles scheint positiv zu sein. Sind wir voller Trauer, erscheint die Welt um uns herum grau und trüb. Und die normalerweise freudigen Sachverhalte erscheinen uns alles andere als freudig.
  • Erfahrungen: Die Erfahrungen, die wir beispielsweise in unserer Kindheit gemacht haben, prägen unsere Wahrnehmung ganz besonders. Erfahrungen bilden die Basis unserer Gedanken, die wir als unsere Realität annehmen. Hast du zum Beispiel immer wieder hören müssen, dass „Kinder, die was wollen …“, dann ist das Wollen für dich vermutlich auch heute noch negativ behaftet und beeinflusst deine Wahrnehmung und Einstellung in Bezug auf die Menschen, die sich das Recht nehmen zu wollen und Dinge einzufordern.
  • Vorurteile: Auch Vorurteile, die du durch Erfahrungen oder durch die Darstellung Anderer entwickelt hast, beeinflussen deine Wahrnehmung. Wenn du glaubst, dass Personen, die eine bayrische Automarke fahren aggressive Autofahrer sind, dann wird der nächste Wagen dieser Sorte, der dir die Vorfahrt nimmt, dir auch das Bestätigen. Obwohl die Mutter, die den Wagen fährt, vielleicht gerade im falschen Augenblick versucht hat ihr Kind zu beruhigen und schlussendlich von Glück überhäuft wurde, da es zu keinem Unfall kam.
  • Werte: Aus deinen Erfahrungen bilden sich Werte. Prinzipien, Denkmuster, Glaubenssätze, die deine Wahrnehmung lenken und als deine persönlichen Leitplanken fungieren.
  • Wünsche: Wünsche prägen deine Realität ebenso. Wenn du dir zum Beispiel, tief im Inneren wünschst, erfolgreich in deinem Beruf zu sein, dann wirst du Gelegenheiten wahrnehmen, die dich diesem Wunsch ein kleines Stückchen näher bringen. Umgekehrt gilt leider aber auch, dass ein Wunsch, der so sehnlich und unerträglich groß ist, ebenfalls deine Wahrnehmung beeinflussen kann. Dieser Wunsch legt dir Barrieren in den Weg, wie etwa die berühmte „rosarote Brille“ oder die Kombination mit Erfahrungen und Werten, die dir einreden „nicht gut genug zu sein“.
  • Bedürfnisse: Grundlegende Bedürfnisse wie Hunger oder Müdigkeit können ebenfalls unsere Wahrnehmung trüben. Stehst du mit knurrendem Magen an der Supermarktkasse wird es sich anfühlen, als würde die Zeit viel langsamer vergehen. Vielleicht scheint es dir sogar so, als wenn alle Menschen absichtlich langsam sind und dich ärgern wollen. Wärest du gut gesättigt, dann würde das vermutlich nicht passieren.
  • Interessen: Dinge, die uns interessieren, lassen uns wachsam und aufmerksam sein. Dinge, die uns langweilen, eher abwesend und desinteressiert.
  • Fähigkeiten: Die Fähigkeiten eines jeden Menschen sind unterschiedlich ausgeprägt. Wenn ich zum Beispiel gut darin bin, Sachverhalte schnell zu erfassen, dann bedeutet das nicht zwangsläufig, dass auch mein Gegenüber diese Fähigkeit besitzt. So tue ich ihm vielleicht unrecht, wenn ich ungeduldig und ärgerlich reagiere.

So haben all diese Faktoren Einfluss darauf, wie sich deine Realität in einem Augenblick präsentiert.

So ist das Glas für den einen halb voll, für den anderen halb leer.

Für den einen ist das Smartphone teuer, für den anderen nicht.

Der eine empfindet eine Autofahrt langsam, während der andere sich vor Angst im Sitz festkrallt.

Das, was wir tagtäglich wahrnehmen – die Denkprozesse, die durch die Informationsaufnahme in Gang getreten werden – sind subjektiv und bilden die Grundlage für unsere Reaktionen und unser Handeln.

Umgekehrt bedeutet dies, dass unsere Reaktionen und unser Handeln auf unserer subjektiven Realität basieren. Sie basieren darauf, wie wir die Welt, die Menschen und Situationen, um uns herum wahrnehmen – nicht wie sie tatsächlich ist.

Fazit

  • Wahrnehmung ist ein Zusammenspiel aus Informationsaufnahme und Informationsverarbeitung.
  • Das, was wir Realität nennen, ist von unseren Emotionen, unseren Erfahrungen, Werten, Wünschen und weiteren Einflussfaktoren abhängig.
  • Jeder von uns sieht eine andere Realität. Das bedeutet, unsere Wahrnehmung ist und bleibt immer subjektiv.

Warum das Wissen über die subjektive Wahrnehmung für deinen Alltag wertvoll ist

Was bringt uns dieses Wissen denn nun für unseren Alltag?

Durch Fehler in unserer Wahrnehmung, also durch die sehr subjektive oder unbewusste Informationsverarbeitung, können Fehleinschätzungen und Missverständnisse entstehen. Das wiederum ist oft die Ursache für Probleme, Streit und Ärger mit den Menschen um uns herum.

Je öfter du dir bewusst bist, dass andere Menschen die Welt anderes sehen als du, desto offener und interessierter kannst du sein: Du weißt ja schließlich nun, dass sie die Welt anders verarbeiten als du. Da kann es ja vielleicht sogar spannend sein zu erfahren mit welchen „Augen“ (also mit welchen Werten, Erfahrungen und Emotionen) sie die Welt gerade sehen.

Je öfter du dir darüber bewusst bist, dass dein Gegenüber andere Erfahrungen gemacht und dadurch andere Werte in sich gebildet hat, desto verständnisvoller und respektvoller kannst du ihm gegenüber sein. Denn „anders“ bedeutet demnach nicht schlechter oder falsch.

Je öfter du dir bewusst bist, dass die Menschen um dich herum eine andere Wahrnehmung von einer Situation oder von dir als Person haben können, desto eher bist du in der Lage deine eigene Wahrnehmung zu hinterfragen und könntest objektiver und stressfreier in so manche Situation gehen. Denn auch das, was du glaubst zu sehen oder zu fühlen, muss nicht der eigentlichen Realität (nämlich der tatsächlichen Informationsaufnahme) entsprechen.

Wäre das (Zusammen-)Leben nicht viel einfacher, wenn wir offener und interessierter, verständnisvoller, respektvoller und selbstreflektierter wären?

Die bewusste Auseinandersetzung und Reflexion deiner Wahrnehmung kann dir helfen die Kommunikation mit anderen zu verbessern und Missverständnisse zu vermeiden.

Wie du deine Wahrnehmung schulen kannst

1# Momente als das erkennen, was sie sind

Durch Achtsamkeit kannst du deine Wahrnehmung schulen. Du kannst damit lernen die Welt zu sehen, wie ist ist, um dann in schwierigen Momenten ebenfalls offener und wertfreier für deine Umwelt zu sein.

Übe dich in Achtsamkeit. So übst du dich darin Informationen bewusst aufzunehmen. In diesem Momenten werden die Informationen also nicht durch den unsichtbaren Tunnel transportiert. Sie zeigen sich dir, bevor sie dann im Gehirn abgelegt werden. Und wenn du achtsam bist, dann werden diese Informationen auch nicht vollkommen automatisiert und willkürlich weiterverarbeitet. Ein hast in diesem Moment ein bisschen mehr Kontrolle darüber, was du in welche Richtung verarbeitest.

Je größer deine Fähigkeit ist, um so einfacher wirst du auch in alltäglichen, spontanen Situationen achtsam sein können. Und so kannst du der Welt oder deinem Gegenüber offener und liebevoller entgegentreten.

Mein kostenfreies eBook „Mehr Achtsamkeit im Alltag“ gibt es in der Download-Bibliothek von „Hallo Glück“. Darin findest du viele Tipps & Tricks, wie du dich ganz leicht im Alltag in Achtsamkeit üben kannst.

Hallo Glück | eBook Achtsamkeit im Alltag
eBook direkt ansehen und herunterladen

Zur Download-Bibliothek

2# Bereite dich auf schwierige Situationen vor

Dir steht eine Situation bevor, die potentiell schwierig sein könnte? In der es emotional immer wieder Probleme gibt? Oder einfach eine Situation an die du bestimmte Erwartungen hast, die für dich unbedingt einen positiven Ausgang haben sollen?

Dann nimm dir vorher ein paar Minuten Zeit, um dich gedanklich mit dieser Situation zu beschäftigen. Überlege dir, welche Erwartungen du an die Situation hast, wie sie für dich optimal verlaufen würde. Stell dir aber auch vor, was andere Personen oder die Umgebung an sich für Erwartungen und Bedürfnisse haben könnten. Manchmal sind die Erwartungen so unterschiedlich, dass wir anders und vielleicht weniger nett reagieren, weil wir schlichtweg enttäuscht sind.

Ein Beispiel aus meinem eigenen Leben: Es gibt Tage an denen komme ich abends voller Tatendrang nach Hause. In meinem Kopf male ich mir aus, wie wir heute Abend noch essen gehen, ein Glas Wein trinken und unsere Gespräche nach dem Essen auf der Couch zuende führen. Mit dieser Einstellung und freudigen Erwartung komme ich nach Hause und werde enttäuscht: Mein Gegenüber hat einen anstrengenden Tag gehabt, sitzt schon in gemütlicher Kleidung auf der Couch, hat überhaupt keine Lust darauf noch raus zu gehen. Schnell entstehen Ärger und Enttäuschung in mir. Natürlich gehen wir nicht mehr aus, und natürlich ist auch die Stimmung weniger gut. Muss das denn aber so sein?

Was hätte ich anders machen können? Wäre ich mir vorher bewusst darüber gewesen, dass mein Gegenüber eine ganz andere Wahrnehmung von dem Tag und dem weiteren Verlauf hat, dann hätte ich anders reagieren können. Zum einen hätte ich meine Erwartung und meine Wünsche im Vorhinein äußern können, zum anderen hätte ich mir vorher eben überlegen können, auf welche Situation ich stoßen könnte bzw. ob es andere Ausgänge als meine eigene Erwartungshaltung gäbe. Denn wenn ich mich kurz mit der Situation auseinandergesetzt hätte, dann hätte ich mich damit beschäftigen können, dass andere auch anders über den weiteren Verlauf des Abends denken als ich. Und dann hätte ich mir überlegen können, wie ich auf diesen anderen Ausgang reagieren würde. Ich wäre von der Situation nicht so sehr überrumpelt worden und ich der Lage gewesen, verständnisvoller und weniger enttäuscht zu reagieren.

Jetzt ist das natürlich eine recht triviale Situation. In Momenten, in denen wir uns wirklich Schwierigerem auseinandersetzten müssen, kann es das Vorbereiten den Gesprächsverlauf massiv beeinflussen. Auf positive Weise versteht sich.

Bitte verstehe mich nicht falsch: Du solltest keineswegs jede bevorstehende Situation in allen möglichen Facetten durchspielen und stundenlang darüber grübeln. Vielmehr geht es um ein kurzes „Inne halten“ und wahrnehmen, welche Ausgänge die Dir bevorstehende Situation haben könnte. Für dich selbst, damit du dir deiner Erwartung bewusst wirst und ggf. mehr Verständnis für dein Gegenüber aufbringen kannst.

In der Glücksbibliothek findest du ein Arbeitsblatt zur Vorbereitung von Situationen, dass dir helfen wird, besser zu verstehen.

Arbeitsblatt direkt ansehen und herunterladen
Zur Download-Bibliothek

3# Reflektiere negative Ereignisse

Situationen, die nicht ganz so gut verlaufen sind, eigenen sich ganz besonders dafür deine Wahrnehmung zu reflektieren. Angenommen du bist im Streit mit jemandem auseinander gegangen. Sofern die Situation vorbei ist, kannst du es nicht mehr verändern. Egal ob du willst oder nicht. Du kannst dich aber im Nachgang noch mal in die Situation hineinversetzen und dich fragen, was genau du eigentlich wahrgenommen hast. Danach überlege dir, was dein Gegenüber wahrgenommen haben könnte. Gibt es Unterschiede? Ist dir nun klarer, warum die Situation so eskaliert ist?

Die Reflexion bringt uns dazu mehr Einsicht für uns selbst und unsere Umwelt zu erhalten. Und Einsicht für dein Gegenüber oder die Situation an sich, hilft dir im Nachgang für Klarheit zu sorgen. Du kannst die Situation zwar nicht rückwirkend verändern, aber du kannst das eigentliche Problem, die eigentlichen Missverständnisse aus der Welt schaffen.

Hallo Glück | Arbeitsblatt In der Glücksbibliothek findest du ein Arbeitsblatt zur Nachbereitung von schwierigen Situationen, dass dir helfen wird, besser zu verstehen, warum die Dinge so verlaufen sind und was du beim nächsten Mal besser machen kannst.

Arbeitsblatt direkt herunterladen

Zur Download-Bibliothek

4# Nimm wahr, was gut in deinem Leben ist

Je mehr du deine Wahrnehmung auf die positiven Dinge des Lebens schulst, um so eher werden Situationen auch zukünftig für dich positiv bewertet. Je positiver dein Fokus im Leben ist, desto weniger negativ wird dein Gehirn die Erlebnisse und Eindrücke bewerten.

Eigentlich ist auch dies eine ganz einfache Methode: Reflektiere regelmäßig was dir Positives widerfährt. Am besten notierst du dir täglich 1-3 Dinge, die gut an dem vergangenen Tag waren. So schulst du deine Wahrnehmung in wenigen Minuten täglich.

Das 6-Minuten-Tagebuch | UrBestSelf

Das 6-Minuten-Tagebuch* von UrBestSelf ist für mich ein tolles Tool dafür! Ich habe es an einem Ort platziert (inklusive Stift), an dem ich sowohl morgens, als auch abends vorbeikomme und setze mich genau an dieser Stelle hin und fülle es aus. Ich versuche es täglich zu tun, denn ich merke, wie unglaublich gut es tut. Das Buch ist einfach und kurz aufgebaut, so dass du mit tatsächlich maximal 6 Minuten am Tag damit durchkommst. Positiviere auch du dein Leben auf eine so einfache Weise!

*= Affiliate Link: Ich bin ganz ehrlich: Ich erhalte eine Affiliate Provision, wenn du über diesen Link einkaufst. Du zahlst keinen Cent mehr als sonst. Du kannst dir auch absolut sicher sein, dass ich dir niemals etwas anpreisen würde, nur um Geld zu bekommen. Es sind immer Empfehlungen von Dingen, die ich selbst nutze und von denen ich wirklich überzeugt bin.

Comment

There is no comment on this post. Be the first one.

Leave a comment